Micron Document
Gopher Proxy


gopherpedia.com:70 gopherpedia.com:70/0/lang=de/Paraceratherium
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

======================================================================
= Paraceratherium =
======================================================================

Introduction
======================================================================
'Paraceratherium' ist eine Gattung aus der ausgestorbenen Familie der
Paraceratheriidae. Ursprünglich war sie auch unter den Bezeichnungen
'Baluchitherium' oder 'Indricotherium' bekannt. Umstritten bleibt in
der Forschung, ob andere beschriebene Formen wie 'Dzungariotherium'
und 'Aralotherium' ebenfalls identisch oder aber eigenständig sind.
Die Paraceratherien gehören in die nähere Verwandtschaft der
Nashörner. Innerhalb der Familie stellt 'Paraceratherium' das
stammesgeschichtlich jüngste Mitglied dar. Die Gattung lebte im
Oligozän und im untersten Miozän vor etwa 34 bis rund 22 Millionen
Jahren. Fossilreste sind von zahlreichen Fundstellen aus Ost-, Süd-
und Zentralasien bekannt, die Verbreitung strahlt aber bis nach
Westasien und Südosteuropa aus.

Es handelt sich um große bis sehr große Tiere, die sich durch relativ
lange Beine, einen verlängerten Hals und einen vergleichsweise kleinen
Schädel auszeichneten. Im Unterschied zu den Nashörnern trugen sie
keine Hornbildungen. Mit einem geschätzten Körpergewicht von bis zu 20
t gehören sie zu den größten bekannten landbewohnenden Säugetieren
aller Zeiten. Lediglich einige der größten Rüsseltiere könnten
ähnliche Dimensionen erreicht haben. Die von 'Paraceratherium'
genutzten Habitate bestanden aus teils offenen Waldlandschaften unter
subtropisch-warmem Klimaverhältnissen. Laut Untersuchungen der
Backenzähne ernährten sich die Tiere hauptsächlich von weicher
Pflanzenkost, die sie aufgrund ihrer Körpergröße auch in höheren
Baumkronen weiden konnten.

Die ersten Funde von 'Paraceratherium' stammen aus Südasien, von wo
die Gattung im Jahr 1910 auch wissenschaftlich benannt wurde. Nahezu
zeitgleich kamen Fossilreste in Zentralasien zum Vorschein, die unter
der Bezeichnung 'Indricotherium' firmierten. Die Bezeichnung
'Baluchitherium' geht ebenfalls auf südasiatische Funde zurück,
erhielt dann aber in den 1920er Jahren durch mehrere Expeditionen des
American Museum of Natural History in das nördliche Ostasien eine
weitere Verbreitung. Die heute großen Fundkollektionen aus den
südlicher daran anschließenden Bereichen kamen erst verstärkt seit den
1960er Jahren zum Vorschein. Forschungsgeschichtlich relevant sind
mehrere Revisionen der Gattung aus den Jahren 1959 und 1989, während
derer die verschiedenen genutzten Namen miteinander synonymisiert
wurden.


Habitus
=========
Neuere Lebendrekonstruktion von 'Paraceratherium'
'Paraceratherium' war ein sehr großer Vertreter aus dem
Verwandtschaftsumfeld der Nashörner. Charakteristische Merkmale bilden
die langen Gliedmaßen, ein gestreckter Hals, ein kräftiger Körperbau
und ein verhältnismäßig kleiner Kopf. Anhand der gefundenen Knochen
wird für mittelgroße Arten wie 'P. transouralicum' eine
Kopf-Rumpf-Länge von 7,4 bis 8,7 m und eine Schulterhöhe von 4,5 bis 5
m angenommen. Ein Individuum der ebenfalls mittelgroßen Art 'P.
lepidum' besaß eine Gesamtlänge des Körpers von 7,2 m, wovon der Kopf
und der Hals 3,5 m einnahmen. Dadurch ergibt sich ein Verhältnis der
Kopf/Hals- zur Rumpflänge von nahezu 1:1. Der Hals wiederum übertraf
den Kopf um das Anderthalb- bis Zweifache an Länge, ersterer maß rund
2,2 m. Das Körpervolumen des Brustkorbs und des Bauchraums betrug
gemäß der Länge der Wirbelsäule und der Rippen schätzungsweise 3,6 m³.
Die größten Formen kamen auf ein Gewicht von vermutlich 15 bis 20 t,
möglicherweise bestand aber zwischen weiblichen und männlichen
Individuen ein Geschlechtsdimorphismus. Kleinere Arten wie etwa 'P.
prohovori' wurden rund 6,2 m lang und besaßen ein Gewicht von etwa 6
bis 9 t. Die Größenunterschiede zwischen kleineren und größeren Arten
verdeutlichen sich unter anderem in der Länge des Oberarmknochens.
Dieser maß bei 'P. prohovori' gut 63 cm, bei 'P. bugtiense' und 'P.
lepidum' 84 cm sowie bei 'P. transouralicum' 93 bis 102 cm.


Schädel- und Gebissmerkmale
=============================
Schädel von 'Paraceratherium'
Schädel und Unterkiefer von 'Paraceratherium'
Der größte vollständig erhaltene Schädel war 129 cm lang, an den
Jochbögen bis zu 61 cm breit und am Hinterhaupt 22 cm hoch. Einige
fragmentierte Stücke lassen jedoch noch größere Exemplare annehmen.
Dabei war der Schädel ausgesprochen langgestreckt und im Bereich des
Gehirnschädels schmal und niedrig. Vor allem bei großen und kräftig
gebauten Exemplaren wölbte der Oberschädel in der Mitte leicht
kuppelartig auf. Bei anderen verlief die Stirnlinie eher gerade. In
Relation zum gesamten Körper war der Schädel verglichen mit jenem der
heutigen Nashörner eher klein. Das Nasenbein zeigte eine nur schwache
Entwicklung und wies auf der Oberseite keine Aufrauungen auf, was
belegt, dass die Tiere keine Hörner trugen. Der vordere Abschnitt hing
frei über dem Naseninnenraum und endete bereits auf Höhe des Diastemas
im oberen Gebiss oder der ersten Prämolaren. Der Naseninnenraum selbst
reichte weit zurück, häufig bis zum letzten Prämolar, teilweise aber
auch bis zu den letzten beiden Molaren. Oberhalb dieser befand sich
auch der Ansatz der Orbita. Kurz davor gelegen, öffnete sich das
Foramen infraorbitale auf Höhe der hinteren Prämolaren. Die Jochbögen
waren bei robusten Formen nach oben gewölbt, nahmen bei grazileren
dagegen eine eher horizontale Position ein. Auf dem Schädeldach fehlte
ein Scheitelkamm. Das Hinterhauptsbein war schmal und lang und nicht
so breit gebaut wie bei den heutigen Nashörnern. Es besaß lediglich
einen schwach ausgeprägten Hinterhauptswulst. Dies kann als ein
weiterer Hinweis auf die Abwesenheit eines Horns interpretiert werden,
da bei den Nashörnern mit entsprechender Hornbildung das
Hinterhauptsbein zumeist massiv für die dafür notwendige
Halsmuskulatur entwickelt ist. Allerdings waren die Gelenkansätze am
Hinterhaupt für die Wirbelsäule enorm groß und beanspruchten 30 bis 40
% der Höhe des Hinterhaupts. Der Unterkiefer besaß eine lange und
schmale Form, war aber recht kräftig gebaut. Seine Länge variierte
zwischen 63 und 83 cm, die Höhe des horizontalen Knochenkörpers
unterhalb des ersten Mahlzahns betrug 10 bis 12 cm. Der Kronenfortsatz
ragte hingegen zwischen 45 und 55 cm auf. Unterhalb der Prämolaren
bauchte die Unterkante teils deutlich aus. Die Symphyse, welche die
beiden Unterkieferhälften an deren jeweiligen vorderen Enden
miteinander verbindet, reichte bis zum dritten Prämolaren und mitunter
bis zum ersten Molar zurück. Sie war damit ebenfalls recht lang und
robust. In einzelnen Fällen bog der vordere Abschnitt nach oben auf,
in anderen verlief er gerade.

Oberkieferzähne von 'Paraceratherium'
'Paraceratherium' verfügte über ein teilweise reduziertes Gebiss mit
folgender Zahnformel: . Gegenüber stammesgeschichtlich älteren Formen
wie 'Juxia' und 'Urtinotherium' hatte vor allem das vordere Gebiss an
Zähnen eingebüßt. Dort besaß 'Paraceratherium' oben und unten jeweils
ein Paar Schneidezähne, die eine konische Form aufwiesen und mit einer
Länge von 6 bis 7 cm an der Zahnkrone kleinen Stoßzähnen ähnelten. Es
gab aber auch Vertreter, bei denen die Schneidezähne mit 2 bis 3 cm
Kronenhöhe deutlich kleiner ausgebildet waren und nicht so auffallend
hervortraten. Im oberen Gebiss formten die jeweils zweiten
Schneidezähne (I2) das entsprechende Paar. Sie standen senkrecht im
Kiefer oder waren leicht schräg nach vorn gerichtet. Das Paar im
Unterkiefer umfasste dagegen den jeweils ersten Schneidezahn (I1). Sie
orientierten sich nach vorn oder nahmen eine leicht schräg
aufsteigender Position ein. Ein mitunter berichtetes weiteres kleines,
äußeres Schneidezahnpaar im Unterkiefer geht allerdings auf eine
Fehlbildung zurück. In der oberen Gebissreihe blieb zusätzlich ein
rudimentärer Eckzahn erhalten. Zwischen vorderem und hinterem Gebiss
befand sich ein großes Diastema. Das hintere Gebiss bestand im
Oberkiefer aus vier Prämolaren und drei Molaren, im Unterkiefer fehlte
der erste Prämolar. In Einzelfällen war auch im Oberkiefer der erste
Backenzahn reduziert. Die vorderen Prämolaren waren sehr klein,
während die hinteren fast die Größe der folgenden Molaren erreichten.
Die Molaren selbst ähnelten jenen der Nashörner, was sich durch ein
π-förmiges Zahnschmelzmuster auf den Kauflächen der oberen und ein
L-förmiges auf denen der unteren ausdrückt. Abweichend zu den
Nashörnern waren die Schmelzfalten bei 'Paraceratherium' weniger
geschwungen und mit 4 mm sehr dick. Allgemein zeichneten sich die
Mahlzähne durch moderat hohe ('hypsodonte') Zahnkronen aus. In der
Regel wies der letzte Molar die größten Dimensionen auf und besaß
Längen im Oberkiefer von 7,4 bis 11,3 cm, im Unterkiefer von 6,8 bis
10,1 cm. Bezogen auf die generelle Größe der Tiere waren die Molaren
aber verhältnismäßig klein, die Gesamtlänge der unteren
Backenzahnreihe betrug zwischen 32 und mehr als 43 cm.


Körperskelett
===============
Wirbel von 'Paraceratherium'
Die am Schädel ansetzenden Halswirbel erreichten eine enorme Größe und
waren in der Länge gestreckt. So wurden bei einigen mittelgroßen
Formen für den ersten Halswirbel Längen von 47 cm und Breiten an den
Flügeln von 66 cm gemessen, während die Werte für den zweiten
Halswirbel entsprechend 59 und 42 cm lauten. An den nachfolgenden
Halswirbeln waren vor allem die Wirbelkörper gestreckt, was den langen
Hals von 'Paraceratherium' bewirkte. Diese maßen bei mittelgroßen
Vertretern zwischen 30 und 37 cm in der Länge, während die
Querfortsätze 48 bis 58 cm auseinanderragten. Bei den Brustwirbeln
wiesen die Wirbelkörper dagegen nur die Hälfte bis ein Drittel der
Länge auf und waren somit deutlich kürzer. An den vorderen setzten
aber extrem lange Dornfortsätze an mit Höhen bis über 60 cm, was einen
kleinen Buckel direkt hinter dem Nacken indiziert. Sie wirkten als
Ankerpunkt für die Muskulatur, die kräftig genug war, den schweren
Kopf zu halten. Seitlich an den Körpern der Wirbel vor dem Kreuzbein
bestanden kleine, rundliche Aushöhlungen (Pleurocoele oder Luftsäcke),
die denen der großen Sauropoden ähneln, es ist aber unbekannt, womit
diese gefüllt waren. Der genaue Aufbau der Wirbelsäule anschließend an
den Hals ist noch nicht genau geklärt, Angaben zur Anzahl der
Lendenwirbel schwanken zwischen drei und vier.

Die Gliedmaßen setzten wie bei den heutigen Nashörnern leicht
gewinkelt unter dem Körper an. Allgemein waren sie langgestreckt, aber
im Bereich des Schaftes äußerst robust gebaut und wirkten dadurch
säulenförmig. An den vorderen Extremitäten übertraf der Unterarm den
Oberarm an Länge. Für ein Individuum von 'P. transouralicum' mit
zusammengehörigen Armknochen wurde jeweils eine Länge des
Oberarmknochens von 98 cm und des Speiche von 120 cm diagnostiziert,
während die Elle unvollständig überliefert blieb, aber gut 136 cm
erreicht haben könnte. Im Gesamten maß ersterer zwischen 63 und 102
cm. Auffallend waren der nach oben orientierte Gelenkkopf, die
massigen, aber wenig erhabenenen Vorsprünge (kleiner und großer) und
eine kräftige, den Schaft umfahrende deltopectorale Leiste. Die beiden
Unterarmknochen bestanden als separate Einheiten und waren abweichend
von zahlreichen anderen großen Säugetieren nicht miteinander
verwachsen. Beide besaßen langgestreckte Schäfte, das an der Elle
aufsitzende Olecranon war aber nicht übermäßig entwickelt. Im
Unterschied zu den vorderen Gliedmaßen wies an den hinteren der
Oberschenkel längere Maße als der Unterschenkel auf. Dadurch bildete
der Oberschenkelknochen den wuchtigsten Langknochen. Seine Länge
beträgt durchschnittlich 117 bis 133 cm, wobei auch einige Exemplare
auf 150 cm und mehr kamen. Durch die enorme Zunahme des Schaftes waren
die einzelnen Trochanter (großer, kleiner und dritter Rollhügel) im
Gegensatz zu den Verhältnissen bei den nahe verwandten Nashörnern
weniger gut sichtbar, was eine Parallele in der Entwicklung der
Elefantenfemora findet. Der gerundete Gelenkkopf saß wiederum auf
einem nur kurzen Hals. Das Schienbein war dagegen mit 80 bis 90 cm
Länge deutlich kürzer. Das hier angeheftete Wadenbein zeigte sich als
nur schmaler Knochen. Sowohl die vorderen als auch die hinteren
Extremitäten endeten in je drei Zehen, bei denen entsprechend der
anderen Unpaarhufer der mittlere Strahl (III) den kräftigsten bildete.
Ein noch bei urtümlicheren Paraceratherien wie 'Juxia' vorhandener
kleiner vierter Strahl am Vorderfuß war bei 'Paraceratherium'
reduziert. Die Metapodien zeigten sich dabei seitlich teilweise
verschmälert und markant verlängert. So wies der mittlere
Mittelhandknochen absolute Maße von 40 bis 63 cm auf, während der
dritte Mittelfußknochen Werte von 28 bis 53 cm besaß. Die seitlichen
Strahlen (II und IV) konnten durchaus ähnlich lang werden, hatten aber
eine wessentlich schmalere Gestalt. Die einzelnen Zehenglieder waren
gegenüber den Metapodien extrem kurz und somit markant abgeplattet. So
wurden die ersten Phalangen des mittleren Strahls bei einer Breite von
rund 14 cm nur zwischen 4 und 5 cm hoch.


Fundstellen
======================================================================
Die wichtigsten Fundgebiete von 'Paraceratherium' (rötlicher Farbton)
in Eurasien im Vergleich zu anderen Vertretern der Paraceratherien
Fossilreste von 'Paraceratherium' verteilen sich über weite Bereiche
von Ost-, Süd-, Zentral- und Westasien. Eine vergleichsweise hohe
Fundstellendichte ist aus den nordwestlichen und nördlichen Gebieten
Chinas bekannt, namentlich die Autonomen Regionen Xinjiang und Innere
Mongolei. Für erstere sind vor allem das Dsungarische Becken, das
Hami-Becken und die Turpan-Senke zu nennen, für letztere das
Erlian-Becken bei der namensgebenden Stadt Erlian. Hinzu kommen einige
weitere Bereiche wie das Linxia- und Lanzhou-Becken in der Provinz
Gansu. Einzelne Funde wurden zudem aus dem südlichen China berichtet,
so aus der Provinz Yunnan. Nördlich von China schließt sich das
Tsagan-Nor-Becken in der Mongolei an. Die dortigen Funde schließen
unter anderem einen der größten und bisher vollständigsten Schädel
ein. Darüber hinaus sind die Bugti-Berge in Belutschistan im heutigen
westlichen Pakistan von herausragender Bedeutung, wo die
forschungsgeschichtlich ersten Fossilien der Gattung entdeckt wurden.
Sehr fundreiche Gebiete liegen des Weiteren in der Region Torghai mit
dem gleichnamigen Fluss Turgai im nordwestlichen Kasachstan und
südlich fortsetzend in der Region des Aralsees. Aber auch in anderen
Landesteilen sind Reste von 'Paraceratherium' bekannt, so aus der
Hungersteppe im zentralen und vom Aktauberg im südöstlichen Abschnitt.
Seit den 2000er Jahren wurden 'Paraceratherium'-Funde auch aus der
Türkei bekannt, hierunter fallen jene aus dem Çankırı-Çorum-Becken im
zentralen und aus dem Kağızman-Tuzluca-Becken im nordöstlichen
Anatolien. Die bisher westlichsten Fundpunkte liegen in Südosteuropa,
wo Reste von 'Paraceratherium' unter anderem aus Rumänien, aber auch
aus Montenegro und Bulgarien mit einzelnen Knochen berichtet wurden.


Körpergröße
=============
Größenvergleich von 'Paraceratherium' mit Nashörnern als nächste
verwandte Gruppe und dem Menschen
Allgemein war 'Paraceratherium' ein extrem großes Landsäugetier. Die
Bestimmung des tatsächlichen Körpergewichts ist insofern schwierig, da
die Körperproportionen der Paraceratherien mit ihren langen Gliedmaßen
und gestrecktem Hals deutlich von anderen Unpaarhufern abweichen. Ein
einfacher Vergleich mit heutigen landlebenden Säugetieren führt daher
in der Regel zu ungenauen Angaben. So wurde in einem populären Werk
über die Entwicklung der Säugetiere im Jahr 1986 ein Gewicht von 30 t
für 'Paraceratherium' vermutet, ohne darzulegen, worauf dieses beruht.
Drei Jahre später wiederum nutzte R. McNeill Alexander den
Kaffernbüffel als Modell und kam über Extrapolation der Körperlänge
auf ein Gewicht von 34 t für die mittelgroße Form 'P. transouralicum'.

Beide Gewichtsangaben erwiesen sich aber nach intensiveren Studien als
bei Weitem zu hoch. Modernere Verfahren bedienen sich daher
Berechnungsformeln und nutzen verschiedene Skelettelemente als
Grundlage. Als mehr oder weniger verlässliche Indikatoren haben sich
hierbei vor allem der Schädel, die Zähne und einzelnen
Gliedmaßenknochen herausgestellt. Um eine genauere
Gewichtsrekonstruktion zu erhalten, wird eine große Bandbreite an
Huftieren einbezogen. Allerdings muss hierbei bedacht werden, dass die
jeweiligen Tiere recht unterschiedlich gebaut sind und die jeweiligen
Skelettelemente einen proportional abweichenden Anteil an der
Körpergröße und dem Körpergewicht einnehmen. Es kann dadurch zu einer
weiten Variation an Angaben kommen, weswegen zumeist ein Mittelwert
gebildet wird. So ergaben sich in einer sehr detaillierten
Untersuchung von Mikael Fortelius und John Kappelmann im Jahr 1993 für
kleinere Formen wie 'P. bugtiense' Gewichtsspannen von 6,5 bis 15 t,
für größere wie 'P. transouralicum' von 7 bis 27 t, abhängig von dem
verwendeten Körperteil und der zugrundeliegenden Datenbasis an
verglichenen Huftieren. Aus diesen weiten Spektren gewonnene
Mittelwerte lassen für erstere Art etwa 7,6 t, für letztere 13 bis 15
t Körpergewicht annehmen, was nach Meinung beider Autoren der Realität
näher kam. Zu einem ähnlichen Ergebnis alleinig für 'P.
transouralicum' war bereits zuvor Philip D. Gingerich im Jahr 1990
gelangt, der sich dabei lediglich auf die Langknochen berief und für
kleinere Exemplare rund 9 t sowie für größere 14 bis 15 t errechnete.
Wiederum zweieinhalb Dekaden später blieb Takehisa Tsubamoto mit Fokus
auf das Sprungbein etwas unterhalb dieser Angaben für 'P.
transouralicum'. Eine sehr umfangreiche Gewichtsrekonstruktion nahm
ein Arbeitsteam um Li Shijie im Jahr 2025 vor. Sie basierte
hauptsächlich auf den Ausmaßen des ersten unteren Molaren und der
Länge der Extremitätenknochen. Unter Verwendung lediglich der
Molarengröße kamen die Wissenschaftler für 'P. bugtiense' auf ein
durchschnittliches Gewicht von 5,8 t, bei den Langknochen auf 9,1 t,
was einen Unterschied von etwa 36 % ausmacht. Entsprechend für 'P.
transouralicum' können 12,3 und 13,9 t angegeben werden mit einem
Unterschied von 11 %. Die höchsten Werte wurden für 'P. orgosense' mit
18,3 t und 'P. tienshanensis' mit 19,5 t errechnet, wobei für letztere
beiden lediglich Mahlzähne zur Verfügung standen. Für einige
Skelettreste aus der chinesischen Provinz Ningxia, deren genaue
Artzugehörigkeit unbestimmt ist, lagen die Gewichtswerte für die
Molaren bei 19,3 t und für die Langknochen bei 20,6 t. Die vier
letztgenannten Werte bilden hierbei die höchsten der gesamten Studie.
Sie lagen aber noch unter den 24 t für 'P. orgosense', die Deng Tao im
Jahr 2009 mit der gleichen Berechnungsmethode für einzelne Molaren aus
der chinesischen Provinz Gansu ermittelt hatte.

Viele Autoren geben heute 15 bis 20 t als oberes Gewichtsmaximum für
'Paraceratherium' an. Aufgrund dessen gilt die Gattung als eines der
größten, wenn nicht als größtes bekanntes Landsäugetier aller Zeiten.
Im Vergleich zum heutigen Afrikanischen Elefanten, der etwa 4 bis 6 t
wiegt, ist 'Paraceratherium' eindeutig größer. Einer der größten
jemals geschossene und akkurat vermessenen Elefanten, das Exemplar
„Fenykoevi“ aus dem südlichen Angola, erreichte eine Schulterhöhe von
3,5 m und wog schätzungsweise 7,5 t, wobei auch nicht verifizierte
Maßangaben von 4 m und 10 t vorliegen. Es ist heute in der Smithsonian
Institution ausgestellt. Einige ausgestorbene Vertreter der
Rüsseltiere übertrafen diese Maße aber deutlich. So wurde das
Steppenmammut aus dem Pleistozän Eurasiens bis zu 4,5 m hoch und wog
Berechnungen zufolge gut 14 t. Dem stand das in Nordamerika etwa
zeitgleich auftretende Präriemammut nur wenig zurück. Ähnliche Angaben
liegen für einige Angehörige der Gattung 'Palaeoloxodon' vor,
ebenfalls aus dem Pleistozän Eurasiens. Die dort gleichfalls, aber
bereits im jüngeren Miozän lebende Gattung 'Mammut' hatte einen
massigeren Körperbau, so dass einzelne Mitglieder bei einer
Schulterhöhe von 4,1 m möglicherweise bis zu 16 t auf die Waage
brachten. Ebenso konnten große Formen der Gattung 'Deinotherium'
wiederum aus dem Miozän immerhin gut 4,3 m hoch werden und 13 t
wiegen. Dadurch rivalisieren die Rüsseltiere durchaus mit den
Paraceratherien um den „Titel“ des größten landlebenden Säugetiers.
Teilweise wird angenommen, dass diese Extremmaße auch die Obergrenze
der Körpermasse bei den landlebenden Säugetieren darstellen. Erklärt
wird dies mit der speziellen Nahrungsverwertung im hinteren Teil des
Magen-Darm-Trakts bei den Rüsseltieren und Unpaarhufern.

Die angegebenen Größenwerte setzen voraus, dass 'Paraceratherium' über
eine ausreichende Thermoregulation verfügt haben muss. Das
subtropische Klima, in dem es überwiegend lebte, lässt somit annehmen,
dass es eine nur geringe Fellbedeckung besaß, ähnlich den anderen sehr
großen Säugetieren heute, da ein dichtes Fell die überschüssige
Körperwärme nur unnötig speichert und schlecht ableitet. Des Weiteren
deuten die Knochen rund um den Ohreingang, vor allem der Processus
mastoideus und der Processus paroccipitalis, darauf hin, dass die
Ohrmuschel möglicherweise deutlich größer gestaltet war als
vergleichsweise bei den heutigen Nashörnern. Beide Knochen entsprechen
jenen heutiger Elefanten, bei denen die Ohren einen wichtigen Beitrag
zur Regulierung des Wärmehaushaltes leisten. Diese Interpretation für
'Paraceratherium' wird aber teilweise auch skeptisch gesehen.


Standrekonstruktion
=====================
Die Länge von Kopf und Hals entsprach bei 'Paraceratherium' in etwa
der des restlichen Körpers. Zudem übertraf die gesamte Halswirbelsäule
den Schädel um das Anderthalb- bis Zweifache an Länge. Im Vergleich
zum urtümlicheren 'Juxia', dessen Schädel und Halswirbelsäule etwa
gleichlang sind, kam es hier relativ gesehen zu einer Verdoppelung der
Halslänge. Erreicht wurde dies durch eine enorme Streckung der
Wirbelkörper. Ein langer Hals führt in der Regel zu deutlich
gesteigerten Belastungskräften, die auf den Schädel einwirken. Als
Kompensation hierfür entwickelten sich bei 'Paraceratherium' massive
Gelenkflächen und Querfortsätze mit zweigeteiltem Ende. Letztere
fungierten als Ansatzstellen und Anker für die massive Halsmuskulatur.
Verstärkt wurde dies auch durch die Vergrößerung der seitlichen
Öffnungen an den Querfortsätzen (Foramen transversarium), durch die
kräftige Sehnen und die Blutgefäße führten. Zusätzlich wirkten die
vorderen Brustwirbel mit ihren hohen, 60 cm und mehr messenden
Dornfortsätzen als Ansatzpunkt für die Halsmuskulatur. Die Lage der
Gelenkflächen an den Halswirbeln zeigt aber wiederum, dass
'Paraceratherium' den Kopf überwiegend horizontal bis leicht schräg
nach oben hielt, was mit einer recht hohen Position der Schulter im
Vergleich zum Kopf einherging. Die beiden ersten Halswirbel sind
deutlich breiter und schränkten dabei möglicherweise eine stärkere
vertikale Bewegung ein. Aufgrund dessen scheint eine pferde- oder
okapiähnliche dauerhafte Kopfhaltung mit nach oben angewinkeltem Hals
kaum möglich, was eventuell beim kleineren und stammesgeschichtlich
älteren 'Juxia' noch eher der Fall war. Die enorme Breite der
Wirbelkörper des Halses, welche deren Höhe übertrifft, im Verbindung
mit ausladenden Querfortsätzen und großen Gelenkköpfen limitierten
aber eventuell auch stärkere seitliche Bewegungen.


Fortbewegung
==============
Hinterbein von 'Paraceratherium'
Die meisten der heutigen extrem großen Säugetiere, wie die Elefanten,
Nashörner und Flusspferde, besitzen Anpassungen an eine entsprechend
ihres Körpergewichtes schwerfällige Fortbewegungsweise
('graviportal'). Diese entwickelte sich aufgrund eines fehlenden
Drucks durch Fressfeinde im ausgewachsenen Alter, wodurch
Fluchtreaktionen nicht zwingend erforderlich waren. Sie ermöglicht es
ihnen aber, das hohe Körpergewicht zu tragen. Die Anpassungen zeigen
sich hauptsächlich bei den Gliedmaßen, die vor allem durch lange obere
Abschnitte (Oberarm- und Oberschenkelknochen) und verkürzte untere,
insbesondere der Hand- und Fußknochen, charakterisiert sind. Gerade
bei den Metapodien (Mittelhand- und Mittelfußknochen) und den
Phalangen (Finger- und Zehenglieder) sind diese Verkürzungen besonders
deutlich erkennbar, wodurch eine sehr schnelle Fortbewegung
eingeschränkt ist. In einer vergleichenden Betrachtung hat der obere
Abschnitt der hinteren Gliedmaßen bei heutigen Pferden einen Anteil
von 27 % an der gesamten Beinlänge, der Fuß nimmt hingegen 41 % ein.
Bei heutigen Elefanten ist dies mit 49 % gegenüber 17 % umgekehrt der
Fall.

'Paraceratherium' besitzt eine Mischung aus beiden
Fortbewegungsgruppen. Die oberen Gliedmaßenabschnitte sind
vergleichsweise lang sowie massiv und säulenartig ausgebildet.
Besonders bemerkbar ist dies am Oberschenkelknochen, an dem bestimmte
Erhebungen wie etwa der dritte Rollhügel am Schaft, ein
charakteristisches Merkmal der Unpaarhufer, überdeckt sind. Die
mittleren Abschnitte hingegen haben sich insbesondere bei den hinteren
Extremitäten verkürzt. Dadurch erreicht der Unterschenkel nur etwa
zwei Drittel der Länge des Oberschenkels. Beim heutigen Panzernashorn
ist er mit 62 % noch einmal kürzer, beim Hauspferd hingegen sind beide
Abschnitte fast gleich lang. Für die vorderen Beine liegen die
Verhältnisse etwas anders, da bei 'Paraceratherium' und beim Hauspferd
der Unterarm den Oberarm an Länge übertrifft, während ersterer beim
Panzernashorn drei Viertel der Länge von letzterem aufweist. Bezüglich
der unteren Abschnitte der Gliedmaßen nimmt 'Paraceratherium' wieder
eine Mittelstellung ein. Der mittlere Mittelhandknochens kommt auf gut
die Hälfte der Länge des Oberarmknochen, beim mittleren
Mittelfußknochen ist es rund ein Drittel. In Relation dazu verfügt das
Spitzmaulnashorn über kürzere (39 und 30 %), das Hauspferd über
längere (78 und 73 %) entsprechende Knochen.

Demnach sind bei 'Paraceratherium' die Metapodien vergleichsweise
länger als bei den heutigen Nashörnern. Mitunter wurde diese
anatomische Mixtur aus Eigenschaften schnellläufiger und
schwerfälliger Tiere auf eine ursprünglich angenommene Herkunft der
Paraceratherien von den feingliedrigeren und damit teils recht flink
interpretierten Hyracodontidae zurückgeführt. Als weitere Besonderheit
kann die Größenreduktion der seitlichen Strahlen der Vorder- und
Hinterfüße gedeutet werden, da dies eine Tendenz zur Monodactylie
(„Einzehigkeit“) erkennen lässt, wie dies bei sehr schnellen Läufern
wie den Pferden der Fall ist. Im Gegensatz zu echten Fluchttieren wie
eben den Pferden oder auch den Rehen zeigen sich aber die Phalangen
bei 'Paraceratherium' wiederum deutlich in ihrer Länge reduziert und
gleichen so denen der schwerfällig gebauten Nashörner und Elefanten.
Eine ähnliche Entwicklung ist bei den großen Sauropoden zu beobachten.
Daraus lässt sich schließen, dass 'Paraceratherium' insgesamt in einer
sehr schnellen Fortbewegung eingeschränkt war.


Ernährungsweise
=================
Der Bau der Zähne, der lange Hals und die generelle Größe der Tiere
mit hoher Kopfposition machen es wahrscheinlich, dass
'Paraceratherium' auf weiche Pflanzennahrung mit geringem
Kieselsäureanteil spezialisiert war und sich höchstwahrscheinlich von
Blättern, Zweigen, Knospen oder Blüten ernährte ('browsing').
Mikroskopische Abschleifspuren an den Backenzähnen zeigen dabei ein
typisches Muster, welches jenem der heutigen, auf weiche Pflanzenkost
spezialisierten Pflanzenfresser gleicht. Zudem ergaben
Isotopenanalysen der Backenzähne, die sowohl an Funden aus dem
Linxia-Becken in der nordchinesischen Provinz Gansu als auch aus den
Bugti-Bergen in Pakistan vorgenommen wurden, dass sich
'Paraceratherium' ausgehend vom Verhältnis der Kohlenstoff-Isotopen
zueinander fast ausschließlich von Blättern ernährte.

Seine Größe ermöglichte es 'Paraceratherium' dabei, in den Baumkronen
mittelhoher Bäume seiner Zeit zu weiden, ähnlich wie es bei den
heutigen Giraffen in Afrika zu beobachten ist. Bei zahlreichen
rezenten auf Blattnahrung spezialisierten Tieren, wie beispielsweise
bei den diversen sich so ernährenden Nashornarten, ist eine sehr
bewegliche Oberlippe zur Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme
ausgebildet. Eine ähnliche Bildung wird auch für 'Paraceratherium'
angenommen. Der charakteristische Bau des vorderen Schädels mit dem
schwach entwickelten Nasenbein erinnert ein wenig an die Tapire, bei
denen durch diese Konstellation ausreichend Platz für die massige
Muskulatur eines beweglichen Rüssels besteht. Dies führt zur
Vermutung, dass ein ebensolches Organ auch bei 'Paraceratherium'
vorhanden war.

Bei allen heutigen Unpaarhufern findet die Verdauung der Nahrung im
hinteren Abschnitt des Magen-Darm-Traktes statt (Enddarmfermentierer).
Da das auch bei einigen ausgestorbenen Formen belegt ist, handelt es
sich wohl um ein ursprüngliches Merkmal der Gruppe und kann auch für
die Paraceratherien vorausgesetzt werden. Im Vergleich zu den
Wiederkäuern mit ihrer hauptsächlichen Nahrungsverwertung im vorderen
Abschnitt ist die Verdauung bei Enddarmfermentierern ineffizienter,
wodurch sie größere Mengen aufnehmen müssen. Ein heutiger Elefant mit
einem vergleichbaren Verdauungssystem vertilgt täglich im Durchschnitt
150 kg an Pflanzen, eine mindestens ebenso große Menge kann auch bei
'Paraceratherium' vorausgesetzt werden.


Landschaftsräume und individuelle Lebensweise
===============================================
Die Größe der Tiere deutet darauf hin, dass sie in offenen
Waldlandschaften oder Baumsavannen zu Hause waren. Neuere
Untersuchungen an Fundstellen mit 'Paraceratherium'-Resten belegen
diese Vermutung. Diese offenen Landschaften gehen mit
Klimaveränderungen während des Oligozäns einher, die zu kühleren und
trockeneren Klimaten führten und so zur Öffnung der einst
geschlossenen Waldhabitate beitrugen. Da 'Paraceratherium' überwiegend
Blattnahrung zu sich nahm, muss in solchen offenen Gebieten der
Aktionsradius einzelner Tiere extrem groß gewesen sein, um die
notwendige tägliche Nahrungsmenge konsumieren zu können, vergleichbar
zu den heutigen Elefanten mit ihren täglichen und jährlichen weiten
Wanderungen. Ob 'Paraceratherium' hierbei Herden bildete, ist
unbekannt. Die meisten Unpaarhufer leben solitär mit
Mutter-Kalb-Beziehungen während der Aufzucht. Nur einige Pferdearten
formen heute stabilere Herdenverbände, allerdings ist dies eine eher
moderne Anpassung an Steppen- und Savannenlandschaften, die ab dem
Miozän entstand.

Ausgewachsene Vertreter von 'Paraceratherium' hatten wohl aufgrund
ihrer Größe kaum natürliche Feinde. An einigen Knochen aus den
Bugti-Bergen in Pakistan finden sich jedoch Bissspuren, die auf ein
riesiges Krokodil, 'Astorgosuchus,' zurückgeführt werden, das bis zu
mehr als 8 m lang wurde und offensichtlich gelegentlich ein Tier
angriff. Abseits solcher singulären Ereignisse ist über die
individuelle Lebensweise und -spanne von 'Paraceratherium' nur wenig
bekannt. Das Zahndurchbruchsmuster des Dauergebisses weicht in
einzelnen Aspekten von dem der Nashörner ab, deren heutige Vertreter
in freier Wildbahn rund 37 bis 40 Jahre alt werden können. Ausgehend
von einer ähnlichen Individualentwicklung und den größeren Körperbau
berücksichtigend könnte 'Paraceratherium' dadurch ein Maximalalter von
rund 40 bis 45 und mehr Jahren erreicht haben. Jedoch ist bei
einzelnen fossilen Nashornformen des frühen Neogens eine schnellere
Reifeperiode in der Jugendphase belegt, was möglicherweise
Auswirkungen auf die gesamte Lebensspanne hatte. Die enorme
Körpergrößenzunahme von 'Paraceratherium' im Vergleich zu seinen
Vorläufern und den Nashörnern als nächstverwandte Gruppe muss daher
nicht zwangsläufig eine ausgedehntere Lebenszeit zur Folge gehabt
haben.


Überblick
===========
{{Klade|style=white-space:nowrap;font-size:75%;line-height:100%
|label1=Rhinocerotoidea
|1={{Klade
|1= frühe Rhinocerotoidea
|2={{Klade
|1= Hyracodontidae
|2={{Klade
|1= Forstercooperiidae
|2={{Klade
|1= Amynodontidae
|2=
}}
}}
}}
}}
}}

'Paraceratherium' ist eine Gattung aus der Familie der
Paraceratheriidae, die wiederum innerhalb der Überfamilie der
Rhinocerotoidea steht. Dadurch gehören die Paraceratheriidae in den
unmittelbaren Verwandtschaftskreis der Nashörner (Rhinocerotidae), als
deren Schwestergruppe sie betrachtet werden. Im Unterschied zu den
Nashörnern trugen die Paraceratherien keine Hornbildungen auf dem
Schädel. Ebenso bestehen Unterschiede im Aufbau des vorderen Gebisses.
So besitzen die Nashörner in der oberen Zahnreihe ein Paar
plattenförmiger Schneidezähne, während im Unterkiefer konisch spitze
Zähne ausgebildet sind (sogenannte „Meißel-Stoßzahn-Anordnung“). Die
Paraceratherien indes zeigen in beiden Gebisshälften konisch geformte
vordere Zähne, die mitunter bei stammesgeschichtlich jüngeren Formen
auch vergrößert sein können. Ursprünglich zumeist direkt den
Nashörnern als Unterfamilie zugesprochen, wurden die Paraceratherien
seit den 1960er Jahren unter anderem aufgrund der abweichenden
Gebisstruktur in die Familie der Hyracodontidae integriert. Diese
wiesen aber eine hohe Variabilität auf, weswegen in den 2010er Jahren
eine Aufteilung erfolgte. In deren Zuge erhielten die Paraceratherien
einen eigenständigen Familienstatus. Im weiteren Verlauf wurden auch
die Forstercooperiidae als eigenständige Familie ausgeschieden. Diese
galten lange Zeit als phylogenetische Vorläufer der Paraceratherien
und wurden zuvor auf Ebene einer Unterfamilie geführt, stellten sich
aber in Analysen zu Beginn der 2020er Jahre als weniger eng verwandt
heraus. Dadurch verblieben die Paraceratherien als relativ formenarme
Gruppe zurück. Innerhalb dieser repräsentiert 'Paraceratherium' des
evolutionäre Endglied. Ursprünglichere Angehörige sind mit 'Juxia' und
'Urtinotherium' dokumentiert. Beide letztgenannten Gattungen
unterscheiden sich weitgehend in der höheren Anzahl der Zähne des
vorderen Gebisses von ersterer sowie in der geringeren Körpergröße.
Bezüglich der vorderen Zähne sind diese bei 'Juxia' relativ
unspezialisiert, während 'Urtinotherium' bereits über das vergrößerte
innere Schneidezahnpaar verfügt, wie es später auch für
'Paraceratherium' typisch ist.


''Paraceratherium'' – monogenerisch oder polymorph?
=====================================================
{{Klade|style=white-space:nowrap;font-size:75%;line-height:100%
|label1=Paracaratheriidae
|1={{Klade
|1= 'Juxia'
|2={{Klade
|1= 'Urtinotherium'
|2=
}}
}}
}}


{{Klade|style=white-space:nowrap;font-size:75%;line-height:100%
|label1=Paracaratheriidae
|1=
}}

Während mit 'Juxia', 'Urtinotherium' und 'Paraceratherium' drei
unangezweifelte Angehörige der Paraceratherien vorliegen, besteht in
der paläontologischen Forschung Uneinigkeit, inwiefern andere benannte
Gattungen einen eigenständigen Status aufweisen. In Bezug auf
'Paraceratherium' bertifft dies 'Aralotherium' und 'Dzungariotherium'.
Erstere Form war im Jahr 1939 etabliert worden, letztere wiederum im
Jahr 1973. Beide Gattungen, die jeweils mehrere Arten beinhalten,
wurden im Rahmen einzelner Revisionen mit 'Paraceratherium' vereint,
was überwiegend in der westlichen Forschungswelt akzeptiert ist. Vor
allem chinesische Wissenschaftler zweifeln dies jedoch an und sehen
sowohl 'Aralotherium' als auch 'Dzungariotherium' als separat von
'Paraceratherium' an. Abseits davon unterscheiden chinesische
Wissenschaftler zusätzlich noch 'Turpanotherium', welches im Jahr 2007
benannt worden war und als 'Paraceratherium' näherstehend eingestuft
wird. Diese kleinere Form zeichnet sich durch ein umfangreicheres
vorderes Gebiss und den Verlust des ersten und teilweise auch des
zweiten Prämolaren aus. Forscher aus dem westlichen Kulturkreis
setzten diese Form jedoch mit 'Urtinotherium' gleich.


Zur Artenvielfalt
===================
{{Klade|style=white-space:nowrap;font-size:75%;line-height:100%
|label1='Paraceratherium'
|1={{Klade
|1={{Klade
|label1= 'Aralotherium'
|1=
|label2= 'Paraceratherium'
|2={{Klade
|1= „'P. grangeri'“ („'Baluchitherium'“)
|2={{Klade
|1= 'P. huangheense'
|2={{Klade
|1= 'P. transouralicum' („'Indricotherium'“)
|2=
}}
}}
}}
}}
|2={{Klade
|label1= 'Turpanotherium'
|1= 'T. elegans'
|label2= 'Dzungariotherium'
|2=
}}
}}
}}

Zahlreiche unterschiedliche Arten wurden von 'Paraceratherium'
beschrieben, im Folgenden werden die wichtigsten Arten kurz
aufgeführt:
* 'P. bugtiense' (, 1910); ursprünglich 'Aceratherium'; kleinerer
Vertreter mit etwa 5,8 bis 9,1 t Körpergewicht, untere Backenzahnreihe
32,5 cm lang, unterer erster Molar 5,8 cm lang; zuerst beschrieben
anhand eines Unterkiefers aus der Chitawara-Formation der Bugti-Berge
in Belutschistan in Pakistan, worauf sich de Artname bezieht, synonym
'Baluchitherium osborni' aus der gleichen Region; Oligozän;
* 'P. huangheense' , 2017; mittelgroßer Vertreter mit rund 14,5 t
Körpergewicht, untere Backenzahnreihe 41,5 cm lang, unterer erster
Molar 7,9 cm lang; zuerst beschrieben anhand eines Ober- und
Unterkiefers aus der Xianshuihe-Formation im Lanzhou-Becken in der
chinesischen Provinz Gansu, nahe dem Gelben Fluss, worauf sich der
Artname bezieht; Unteres Oligozän mit einem Alter von rund 31,5
Millionen Jahren;
* 'P. lepidum' , 1978; mittelgroßer Vertreter mit rund 13,8 bis 14,6 t
Körpergewicht, untere Backenzahnreihe 42,5 cm lang, unterer erster
Molar 7,3 cm lang; zuerst beschrieben anhand eines Schädelfundes aus
der Taoshuyuanzi-Formation in der Turpan-Senke in der chinesischen
Autonomen Region Xinjiang; Oberes Oligozän;
* 'P. linxiaense' , 2021; kleinerer Vertreter mit rund 8,7 bis 10,9 t
Körpergewicht, unterer erster Molar 6,9 cm lang; zuerst beschrieben
anhand eines vollständigen Schädels und Unterkiefers aus der
Jiaozigou-Formation im Linxia-Becken in der chinesischen Provinz
Gansu, worauf sich der Artname bezieht; Oberes Oligozän mit einem
Alter von rund 26,5 Millionen Jahren;
* 'P. orgosense' (, 1973); größerer Vertreter mit rund 18,3 t
Körpergewicht, eventuell bis zu 24 t, untere Backenzahnreihe 43,0 cm
lang, unterer erster Molar 8,7 cm lang; zuerst beschrieben anhand
eines nahezu vollständigen Schädels aus der Shawan-Formation im
Dsungarischen Becken in der chinesischen Autonomen Region Xinjiang;
Oberes Oligozän;
* 'P. prohovori' (, 1939); kleinerer Vertreter mit rund 6,6 bis 9,3 t
Körpergewicht, untere Backenzahnreihe 38,8 cm lang, unterer erster
Molar 6,3 cm lang; zuerst beschrieben anhand eines fragmentierten
Schädels aus der Aral-Formation bei Akespe (Agyspe) am Nordufer des
Aralsees in Kasachstan; Oberes Oligozän bis Unteres Miozän;
* 'P. sui' , 2003; mittelgroßer Vertreter mit rund 13,4 t
Körpergewicht, unterer erster Molar 8,1 cm lang; zuerst beschrieben
anhand eines Unterkiefers aus der Tieersihabahe-Formation in Fuhai in
der chinesischen Autonomen Region Xinjiang; Oberes Oligozän;
* 'P. tienshanense' , 1962; größerer Vertreter mit rund 19,6 t
Körpergewicht, unterer erster Molar 10,7 cm lang; zuerst beschrieben
anhand eines fragmentierten Unterkiefers aus dem Hami-Becken in der
chinesischen Autonomen Region Xinjiang; bereits 1959 vorgestellt,
jedoch mit unklarer exakter Fundposition; Oberes Oligozän?
* 'P. transouralicum' (, 1922), ursprünglich 'Indricotherium';
mittelgroßer Vertreter mit rund 9,3 bis 13,9 t Körpergewicht, untere
Backenzahnreihe 40,0 cm lang, unterer erster Molar 7,7 cm lang; zuerst
beschriben anhand eines Unterkiefers aus Torghai im nordwestlichen
Kasachstan, synonym 'Indricotherium asiaticum' aus Kasachstan und
'Baluchitherium grangeri' aus der Hsanda-Gol-Formation im
Tsagan-Nor-Becken in der Mongolei; Oligozän, für die
Hsanda-Gol-Formation mit einem Alter zwischen 32 und 27 Millionen
Jahren;
* 'P. turfanense' (, 1978); mittelgroßer Vertreter mit rund 11,6 t
Körpergewicht, unterer erster Molar 7,3 cm lang; zuerst beschrieben
anhand eines stark fragmentierten vorderen Schädels mit Unterkiefer
aus der Taoshuyuanzi-Formation in der Turpan-Senke in der chinesischen
Autonomen Region Xinjiang; Oberes Oligozän;
* 'P. zhajremensis' , 1988; größerer Vertreter, möglicherweise größer
als 'P. transouralicum', unterer erster Molar 8,9 cm lang; zuerst
beschrieben anhand eines fragmentierten Unterkiefers aus Atassu in
Shanaarqa (Shairem) im zentralen Kasachstan, worauf sich der Artname
bezieht; Oberes Oligozän;

Getrennt nach den potenziell drei bestehenden Gattungen
'Paraceratherium', 'Dzungariotherium' und 'Aralotherium' ergibt sich
folgendes Bild für die Arten:
* 'Paraceratherium' , 1911
:* 'P. bugtiense' (, 1910); Nominatform
:* 'P. huangheense' , 2017
:* 'P. lepidum' , 1978
:* 'P. linxiaense' , 2021
:* 'P. transouralicum' (, 1922)
:* 'P. zhajremensis' , 1988
* 'Aralotherium' , 1939
:* 'A. prohovori' , 1939; Nominatform
:* 'A. sui' (, 2003)
* 'Dzungariotherium' , 1973
:* 'D. orgosense' , 1973; Nominatform
:* 'D. tienshanense' (, 1962)
:* 'D. turfanense' , 1978

Inwiefern alle hier aufgeführten Arten auch tatsächlich anerkannt
sind, wird in der Forschung unterschiedlich bewertet. Unabhängig der
abweichenden Gattungszuweisung sehen westliche Wissenschaftler 'P.
lepidum' und 'P. turfanense' als synonym zu 'P. orgosense' an, während
sie 'P. tienshanense' als Nomen nudum einstufen. Für chinesische
Wissenschaftler sind nahezu alle Arten gegeben mit Ausnahme von 'P.
zhajremensis', das sie als identisch mit 'P. lepidum' betrachten.
Darüber hinaus weisen sie zusätzlich noch 'P. grangeri' als
eigenständig aus, welches ansonsten als übereinstimmend mit 'P.
transouralicum' gilt. Letztgenanntes fällt in der chinesischen
Forschungstradition häufig unter die Bezeichnung 'P. asiaticum'.
Darüber hinaus benannten Qiu Zhan-Xiang und Kollegen mit 'P.
yagouense' im Jahr 2004 eine weitere kleinere Form, die auf dem
Schädel eines nicht ausgewachsenen Tieres aus der Jiaozigou-Formation
im Linxia-Becken in Gansu im Norden Chinas beruht. Qiu verschob diese
aber drei Jahre später zur Gattung 'Turpanotherium'. Ebenso wurde eine
im Jahr 1989 vorgestellte Form namens 'D. ordenensis' aus dem
Erlian-Becken in der Inneren Mongolei von Qiu mit 'Urtinotherium' in
Verbindung gebracht, ohne dass aber die Art Anerkennung erhielt.
Ebenfalls zu 'Urtinotherium' gehören heute die einst in den Jahren
1958 und 1962 als '„Indricotherium“ parvum' und '„Indricotherium“
intermedium' benannten Arten.


Forster Cooper und ''Paraceratherium'' in Belutschistan
=========================================================
Die Entdeckung und Erforschung von 'Paraceratherium' begann zu Anfang
des 20. Jahrhunderts im heutigen Südasien. Die ersten Funde wurden
dort wahrscheinlich jedoch schon Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt,
als ein Soldat namens Vickary im Jahr 1846 Reste aus dem damaligen
British India mit nach England brachte, die aufgrund ihres
fragmentierten Charakters aber lange Zeit nicht zugeordnet werden
konnten. Noch in den 1880er Jahren führte William Thomas Blanford
(1832-1905) geologische Untersuchungen in den Siwaliks durch und
konnte von Fossilien berichten. Dies weckte die Aufmerksamkeit von Guy
Ellcock Pilgrim (1875-1943), der daraufhin in den Jahren 1907 und 1908
eigene Expeditionen in die Bugti-Berge in Dera Bugti im heutigen
Belutschistan in Pakistan durchführte. Seine Untersuchungen dort
mündeten im Jahr 1910 in einer Veröffentlichung einzelner Knochen,
darunter ein hinterer Teil eines Unterkiefers und mehrere
Oberkieferzähne, die er dem Nashornvertreter 'Aceratherium' zuschrieb
und diesem die neue Art 'A. bugtiense' in Anlehnung an die Fundregion
beifügte. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Pilgrim in einer
Veröffentlichung neben zwei zahnlosen Schädeln einzelne isolierte
Schneidezähne von bis zu 33 cm Länge einschließlich der Wurzel der
neuen Gattung und Art 'Bugtitherium grandincisivum' zugesprochen,
welche er jedoch mit den Paarhufern in Verbindung brachte. Seine
vollständigen Forschungsergebnisse legte er im Jahr 1912 vor.

Wiederum inspiriert durch Pilgrim leitete Clive Forster Cooper
(1880-1947) im Jahr 1910 eine eigene erste Expedition in die
Bugti-Berge, gefolgt von einer weiteren im Jahr darauf. Bei ersterer
fand er einen fast vollständigen und gut 72 cm langen Unterkiefer,
mehrere Halswirbel und Langknochen. Auf Basis dieses Materials
veröffentlichte Forster Cooper im Jahr 1911 die Erstbeschreibung von
'Paraceratherium'. Der Gattungsname leitet sich aus den griechischen
Wörtern 'παρά' ('pará') für „neben“, 'κέρας' ('keras') für „Horn“ und
'θηρίον' ('thēríon') für „Tier“ ab und bezieht sich auf die nahe
Verwandtschaft mit den Nashörnern. Unter Berufung auf Pilgrims kurzen
Aufsatz aus dem Jahr zuvor benannte er die zugehörige Art mit 'P.
bugtiense', wobei der Unterkiefer als Holotyp der Gattung dient. Er
vereinte damit nicht nur Pilgrims 'Aceratherium' mit seinem
'Paraceratherium', sondern setzte in diesem Zuge auch zumindest die
isolierten Schneidezähne von dessen 'Bugtitherium grandincisivum'
aufgrund der identischen Ausprägung am Holotyp-Unterkiefer gleich. In
einer Publikation zwei Jahre später merkte Forster Cooper an, dass die
ebenfalls dort gefundenen Wirbel und Langknochen nicht zu dem
Unterkiefer von 'Paraceratherium' passten, da sie weitaus zu groß
waren. Als Beleg hierfür führte er einen Schädel an, der bei seiner
zweiten Expedition gemeinsam mit drei weiteren Teilschädeln an der
Fundstelle Lundo Tschur in Belutschistan zum Vorschein gekommen war
und dessen Hnterhauptsgelenke bezüglich der Größe mit den Wirbeln
übereinstimmte. Daher führte Forster Cooper den Gattungsnamen
'Thaumastotherium' ein und wählte zu Ehren von Henry Fairfield Osborn
'T. osborni' als Artname. Allerdings musste er die Gattung kurz darauf
durch 'Baluchitherium' ersetzen, da 'Thaumastotherium' bereits für ein
Insekt aus der Gruppe der Schnabelkerfe vergeben worden war. Der erste
Namensbestandteil von 'Baluchitherium' ist wiederum eine Referenz auf
die Fundregion. Mit seiner zweiten Expedition beendete Forster Cooper
seine Arbeiten in den Bugti-Bergen, wodurch die Forschungen dort
nachfolgend ruhten. Er publizierte aber noch einzelne Aufsätze über
'Paraceratherium' und 'Baluchitherium'.


Borisjak und ''Indricotherium'' in Kasachstan
===============================================
Im Jahr 1912 und damit etwa im gleichen Zeitraum zu Forster Copopes
Forschungen in Belutschistan wurden Reste großer nashornartiger Tiere
im ehemaligen Gebiet Torghai des heutigen nordwestlichen Kasachstan
entdeckt. Der genaue Fundbereich lag nahe des Salzsees Schalkartengis
im heutigen Gebiet Aqtöbe. Alexej Alexejewitsch Borisjak (1872-1944)
beschrieb diese im Jahr 1915 unter der Gattungsbezeichnung
'Indricotherium' in russisch, der kurze Aufsatz wurde aber auch in
andere Sprachen übersetzt. Die Herkunft des ersten Namensbestandteils
ist nicht ganz eindeutig, wurde von Borisjak aber mit dem Fabelwesen
Indrik aus dem „Buch der Tauben“ (russisch: 'Голубиная книга') der
slawischen Volksliteratur in Verbindung gebracht, andere führen ihn
etymologisch auf „Heinrich“ zurück. Borisjak basierte seine Gattung
auf einige wenige Zähne, unterließ es aber, eine genaue Art zu
definieren. In den nachfolgenden Jahren mit zunehmendem Fundmaterial -
die Untersuchungen am Schalkartengis hielten bis 1941 an - erweiterte
er seine Beschreibungen, so unter anderem um das Gebiss und Teile des
Bewegungsapparates. Erst im Jahr 1923 hatte Borisjak die Arbeiten
abgeschlossen und stellte dann in einer umfassenden Monographie die
Arten 'I. asiaticum' und 'I. minus' vor, welche er nach der Größe
unterschied. Beide sind aber nicht anerkannt, da bereits im Jahr zuvor
Maria Pavlova 'I. transouralicum' anhand von Funden, darunter ein 63
cm langes Unterkieferfragment mit vollständiger hinterer Bezahnung,
aus der gleichen Region wissenschaftlich eingeführt hatte. Die
entsprechenden Fossilien waren wiederum im Jahr 1921 nahe des Flusses
Turgai zum Vorschein getreten.

Neben diesen bedeutenden Funden wurden Reste von Paraceratherien
Anfang der 1920er Jahre während einer Expedition des Paläontologischen
Instituts der damaligen Sowjetischen Akademie der Wissenschaften bei
Akespe (Agyspe) in der Perovsky-Bucht am Nordufer des Aralsees
entdeckt. Diese nutzte Borisjak, um im Jahr 1939 die nach dem See
benannte Gattung 'Aralotherium' mit der Art 'A. prohovori'
wissenschaftlich zu etablieren. Die Arbeiten vor Ort waren allerdings
erst 1938 abgeschlossen, so dass das Hauptmaterial gut zwanzig Jahre
später durch Vera Gromova insgesamt vorgestellt werden konnte. Aus
heutiger Sicht werden die Funde der Aral-Formation zugesprochen, deren
Bildungszeitraum das Obere Oligozän und Untere Miozän umfasst.


Osborn und ''Baluchitherium'' in der Mongolei
===============================================
Eine bedeutende Fundregion wurde in den 1920er Jahren während mehrerer
Expeditionen des American Museum of Natural History erschlossen.
Organisiert von Henry Fairfield Osborn (1857-1935) erreichten die
Teilnehmer der sogenannten 'Second Central Asiatic Expedition' unter
Leitung von Roy Chapman Andrews (1884-1960) und Walter W. Granger
(1872-1941) im Jahr 1922 hierbei auch das Tsagan-Nor-Becken in der
zentralen Mongolei. Die dortigen Aufschlüsse werden heute der
Hsanda-Gol-Formation zugesprochen, die im Oligozän entstand. Unter dem
zahlreich geborgenen fossilen Material großer nashornartiger Tiere
waren ein Unterkiefer, mehrere Schädel, darunter auch ein nahezu
vollständiges, wenn auch in Einzelteile zerfallenes, 129 cm langes
Exemplar, sowie ein Oberarmknochen herausragend. Diese wurden im
darauffolgenden Jahr von Osborn untersucht und als 'Baluchitherium
grangeri' beschrieben. Den Gattungsnamen entlieh er dabei Forster
Cooper, den Artzusatz vergab er zu Ehren Grangers, der zuerst einen
Bereich mit zahlreichen Knochen von Paraceratherien im
Tsagan-Nor-Becken entdeckt hatte. Bei der übernächsten Expedition im
Jahr 1925 kehrten die Forscher erneut in das Tsagan-Nor-Becken zurück
und fanden weitere Fossilreste von 'Baluchitherium'. Als bemerkenswert
erwiesen sich diesmal noch in den Ablagerungen aufrecht stehende
Beinknochen, die in einer ersten Interpretation als von einem im
Treibsand verendeten Indivuduum stammen sollten. Auch bei weiteren
Expeditionen des American Museum of Natural History wurden Reste von
Paraceratherien entdeckt, so unter anderem 1928 und 1930 im
Erlian-Becken in der Inneren Mongolei. Das dortige Material erwies als
durchaus älter als jenes des Tsagan-Nor-Beckens. Es verteilt sich auf
mehrere Gesteinseinheiten, die von der Irdin-Manha-Formation über die
Shara-Murun-Formation bis zur Urtyn-Obo-Formation reichen und in das
Mittlere bis Obere Eozän beziehungsweise Untere Oligozän datieren. Ein
Teil dieses späteren Fundmaterials konnte nachfolgend ursprünglicheren
Formen wie 'Juxia' zugewiesen werden oder diente als Grundlage für
Gattungen wie 'Forstercooperia' und 'Pappaceras', wobei letztere
beiden heute nicht mehr in direkter Entwicklungslinie der
Paraceratherien stehen.


Ostasiatische Funde
=====================
Nach den Unternehmungen des American Museum of Natural History suchten
in den 1960er und 1970er Jahren verschiedene sowjetisch-mongolische
Expeditionen die ergiebigen Fundgebiete in der Gobi auf und entdeckten
unter anderem bei Ergilin-Dzo und Shand-Gol Reste großer
Paraceratherien. Weiter südlich auf dem Gebiet des heutigen Chinas
wurden die ersten Funde von Paraceratherien parallel zu den
amerikanischen Untersuchungen im Jahr 1922 geborgen. Sie gehen auf
Teilhard de Chardin zurück, der auf einer Forschungsreise in die
Ordos-Region neben einigen Einzelfunden aus dem Lingwu-Becken in der
chinesischen Provinz Ningxia hauptsächlich bei der Missionsstation St.
Jacques am Ufer des Gelben Flusses in der Inneren Mongolei eine
größere Kollektion barg und diese vier Jahre später kurz vorstellte.
Die letztgenannte Fundstelle galt einige Zeit als verloren und wurde
erst im Jahr 1978 durch chinesische Forscher wiederentdeckt.
Verstärkte Untersuchungen begannen in China jedoch erst Ende der
1950er Jahre in verschiedenen Regionen, eine anfänglich treibende
Kraft hinter diesen Forschungen war der chinesische Paläontologe Zhou
Mingzhen (1918-1996). So konnte Zhou bereits im Jahr 1958 mehrere
Kieferfragmente einer kleineren Form aus dem Lunan-Becken in der
südchinesischen Provinz Yunnan vorstellen, die er zu 'Indricotherium'
verwies und der neuen Art 'I. parvum' zuordnete. Diesen folgten einige
Zahnreste aus dem Hami-Becken in der nordchinesischen Autonomen Region
Xinjiang mit ebenfalls einem Verweis zu 'Indricotherium'. Vor allem im
nördlichen Teil Chinas setzten dann systematischere Forschungen ein,
die analog zu den Tätigkeiten in der Mongolei teilweise bei
gemeinsamen Expeditionen mit sowjetischen Paläontologen erfolgten.
Hierbei erwies sich das bereits von den amerikanischen
Forschungsunternehmungen fokussierte Erlian-Becken bei Erlian in der
Inneren Mongolei als herausragend. Von dort konnten in den Jahren 1963
und 1964 durch Zhou gemeinsam mit Qiu Zhan-Xiang zuerst
'Urtinotherium' und nachfolgend 'Juxia' als stammesgeschichtlich
ältere Mitglieder der Paraceratherien wissenschaftlich eingeführt
werden, ersterer Form waren dabei auch die Fossilreste aus dem
Lunan-Becken in Yunnan zuzuordnen.

In den 1960er Jahren und darüber hinaus übernahm dann Qiu eine
Federführung in der chinesischen Paraceratherien-Forschung, etwa indem
er im Jahr 1962 nicht nur die von Zhou publizierten Funde aus dem
Hami-Becken zu 'Paraceratherium' und der neuen Art 'P. tienshanensis'
stellte, sondern auch einen ersten Versuch der systematischen
Gliederung der chinesischen Fossilformen wagte. Die Autonome Region
Xinjiang bildete folgend mit verschiedenen Fundbereichen einen
Schwerpunkt der Untersuchungen. Im Jahr 1964 am Südrand des
Dsungarischen Beckens aufgedeckte Fossilreste in der Shawan-Formation
des Oberen Oligozän mündeten neun Jahre später in der Erstbeschreibung
von 'Dzungariotherium', für das das Becken als Namenspate stand. Die
von Qiu ebenfalls eingeführte Art 'D. orgosense' (in
Originalschreibweise 'D. orgosensis') sollte einen sehr großen
Vertreter der Paraceratherien repräsentieren. Der zugrunde liegende
Schädel weist eine Länge von 121 cm auf, die Zähne werden als bis zu
25 % größer als bei 'I. transouralicum' angegeben. Nur eine halbe
Dekade später folgten diesem mit 'D. turfanense' und 'P. lepidum' (in
Originalschreibweise 'P. lipidus') zwei weitere Vertreter, die in
beiden Fällen aus der Taoshuyuanzi-Formation in der Turpan-Senke zum
Vorschein traten. Für die Gesteinseinheit ist ein oberoligozänes Alter
zu veranschlagen. Das als Neotyp fungierende Teilskelett von 'P.
lepidum' spricht für ein Individuum mit einer Körperlänge von rund 7,2
m.


Zentralasiatische Funde
=========================
In Kasachstan als dem Ursprungsland von 'Indricotherium' gingen die
Untersuchungen Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre nur
sporadisch weiter. Einzelne Funde von 'Indricotherium' wurden an
verschiedenen Fundpunkten in Torghai geborgen, etwa bei Myneske-Suyek,
Shintuz-Say oder Mogila-Saty, alle im Einzugsgebiet des Turgai-Flusses
gelegen. Einige davon lieferten auch größere Teilskelette. Anhand
dieses Materials benannte M. D. Birjukov im Jahr 1953 die Gattung
'Pristinotherium' mit der Art 'P. brevicervicale', die jedoch als
Nomen nudum eingestuft wird. Ebenso kamen am Aralsee bei Sayaken,
Kuzhasay und Zhilansay westlich beziehungsweise südwestlich des
eigentlichen Fundgebietes von Agyspe Reste von 'Aralotherium' zum
Vorschein. Weitere Fossilien wurde in den 1950er und 1960er Jahren bei
Askasan-Sor und Kyzyl-Kak in der Hungersteppe im zentralen Kasachstan
geborgen. Der gleichen Region bei Atassu in Shanaarqa (Shairem)
entstammt auch ein Unterkiefer, der von Bolat Uapovich Bayshashov im
Jahr 1988 der neuen Art 'P. zhajremensis' zugewiesen wurde. Die
Ausmaße der Zähne ließen hierbei auf einen recht großen Vertreter
schließen. Da jedoch in russischer Sprache verfasst und in einem
Aufsatz mit Überblickscharakter zur geologisch-paläontologischen
Arbeit in Kasachstan in einem sowjetischen Wissenschaftsjournal
publiziert, fand die neue Form kaum Reflexion in der übrigen Welt.
Erst in den 1990er Jahren in Zusammenarbeit mit US-amerikanischen
Forschern änderte sich dies. Nachfolgend ließen sich der Art weitere
Unterkieferfragmente vom Aktauberg im Becken des Ili südlich des
Balchaschsees und aus Kyzylshar bei Almaty jeweils im südöstlichen
Kasachstan zuordnen. Für den Aktauberg waren bereits in den 1960er
Jahren Reste von 'Paraceratherium' berichtet worden. Sie lagerten dort
weitgehend in der Aktau-Formation. Alle genannten Funde datieren in
das Obere Oligozän. Hinzu kommen Zahnfunde aus der nördlichen Umgebung
des Saissansees im östlichen Landesteil, welche den Erstnachweis von
'Urtinotherium' in der Region darstellen und in das ausgehende Eozän
angehören. Aus dem westlichen Kasachstan wurden in den 1990er Jahren
wiederum Zahnfragmente von 'Paraceratherium' aus dem Gebiet nördlich
des Aralsees berichtet. Ihre Fundlage in der Chilikta-Formation
spricht für ein unteroligozänes Alter.


Europäische Funde
===================
Europäische Funde von Paraceratherien sind insgesamt nur sehr spärlich
beobachtet. Neben einem Mitte der 1990er Jahre berichteten unteren
Schienbeinfragment mit anhaftendem Rest des Wadenbeins von
'Urtinotherium' aus der unteroligozänen Mera-Formation bei Fildu de
Jos im Kreis Sălaj im nordöstlichen Rumänien, handelt es sich bei den
übrigen Resten zumeist um Belege jüngerer Formen. Hierunter fallen
Bruchstücke von Oberkieferbackenzähnen aus einem Kohlebergwerk
südöstlich von Berane in Montenegro, die im Jahr 1957 veröffentlicht
wurden. Des Weiteren zählt ein knapp 30 Jahre später bekannt gemachter
letzter Prämolar des Oberkiefers aus einer Tongrube bei Dragovištiza
in Bulgarien dazu. Für beide Funde wurde eine Stellung zu
'Indricotherium' in Betracht gezogen. Gleiches galt ursprünglich auch
für einige Oberkieferbackenzähne aus Turea-Cornești im Kreis Cluj
wiederum in Rumänien, die Léo Gabunia im Jahr 1960 erstmals kurz
erwähnte. Später verwies dieser die Funde aber zu 'Benaratherium'.
Letztgenannte Gattung umfasst kleinere Vertreter der Paraceratherien.
Sie war fünf Jahre zuvor von Gabunia unter Berufung auf einen rechten
Unterkieferast aus Benara in Georgien eingeführt worden. Ihr gesamtes
dokumentiertes Fundmaterial ist aber spärlich und besteht neben dem
Belegfund zusätzlich noch aus einzelnen Handwurzelknochen wie dem
Mondbein, welche bereits 1951 von der gleichen Fundstelle berichtet
wurden. Aufgrund dessen sind die systematische Stellung und die
verwandtschaftlichen Beziehungen von 'Benaratherium' innerhalb der
Paraceratherien sehr unsicher.


Jüngere Forschungen
=====================
Die für die Erforschung der Paraceratherien initialen und bedeutenden
Fundgebiete der Bugti-Berge in Pakistan wurden erst Mitte der 1980er
Jahre durch Forscher des Landes wieder aufgesucht. Von Mitte der
1990er bis Anfang der 2000er Jahre führte ein
pakistanisch-französisches Wissenschaftlerteam mehrere
Untersuchungskampagnen vor Ort durch. Im Ergebnis konnte die
stratigraphische Gesteinsabfolge der Originalfundstelle von Lundo
Tschur genauer beschrieben und der heutigen Chitawara-Formation
zugewiesen werden. Die Gesteinseinheit bildete sich im Verlauf des
Oligozäns und im frühen Unteren Miozän. Zudem fanden sich weitere
Reste von 'Paraceratherium', welche Kieferfragmente, Zähne und
Fußknochen einschließen und in den oberoligozänen Abschnitten der
Chitawara-Formation eingebettet lagen. Pierre-Olivier Antoine, der an
diesen Arbeiten beteiligt war, wendete sich anschließend
Fossilaufschlüssen in Vorderasien zu. Dies führte zu Entdeckungen von
Resten von 'Paraceratherium' unter anderem aus der oberoligozänen
Kızılırmak-Formation im Çankırı-Çorum-Becken im zentralen Anatolien
und aus der etwa gleichalten Güngörmez-Formation im
Kağızman-Tuzluca-Becken im nordöstlichen Teil des Landschaftsraumes.
Während erstere Fundstelle lediglich eine fragmentierte Speiche barg,
erbrachte letztere einen Wirbel und verschiedene Teile der
Vordergliedmaßen. Unabhängig der relativen Spärlichkeit der
Fossilreste schließen sie eine bis dahin vorhandene Lücke zwischen den
ebenfalls wenigen europäischen Nachweisen und den ungemein
reichhaltigeren süd- und zentralasiatischen Fundgebieten.

Vor allem der ostasiatische Raum bildet heute eines der Zentren zur
Untersuchung der Paraceratherien. Anfänglich konzentrierten sich die
Untersuchungen dort in den 2000er Jahren noch auf die Autonome Region
Xinjiang, wo unter anderem im Jahr 2003 mit 'P. sui' aus der
Tieersihabahe-Formation in Fuhai eine allerdings nur wenig
Fundmaterial umfassende Form beschrieben wurde. Ihr folgten mit
'Turpanotherium' wiederum aus der Turpan-Senke im Jahr 2007 eine neue
Gattung, vorgestellt von Qiu Zhan-Xiang und Wang Ban-Yue. Sie schließt
die Art 'T. elegans' als Nominatform ein, welche neben einem
Unterkiefer als Holotyp auch ein Teilskelett vorweisen kann. Da 'T.
elegans' genauso wie auch 'D. turfanense' und 'P. lepidum' der
Taoshuyuanzi-Formation entstammt, zeigt sich die Turpan-Senke
insgesamt als ein sehr fundreiches Gebiet.

Mit einer neuen Forschergeneration erweiterte sich das Fundgebiet in
den 2010er Jahren. Einen neuen Schwerpunkt bildete die nordchinesische
Provinz Gansu mit dem Linxia-Becken und dem Lanzhou-Becken. Für
ersteres hatten Qiu und Wang gemeinsam mit Deng Tao bereits im Jahr
2004 neben einzelnen Zahnresten von 'D. orgosense' auch die neue Art
'P. yagouense' anhand eines Schädels eines Jungtiers vorgestellt,
wobei letzterer später mit 'Turpanotherium' in Verbindung gebracht
wurde. Die Fossilien beider Arten wurden zuerst in Apotheken mit
Spezialisierung auf „Drachenknochen“ aufgespürt, durch intensive
Forschungen vor Ort ergab sich dann eine Herkunft aus der
Jiaozigou-Formation, welche das Obere Oligozän abdeckt. Die gleiche
Gesteinseinheit lieferte dann noch ein Teilskelett von 'P.
linxiaense', welches von Deng und Kollegen im Jahr 2021 publiziert
wurde. Basis hierfür bildeten ein 116 cm langer Schädel samt eines 82
cm langen Unterkiefers und eines zugehörigen ersten Halswirbels.
Ähnlich der Turpan-Senke sind somit aus dem Linxia-Becken drei Arten
von Paraceratherien etwa zeitgleich belegt. Sie bereichern das extrem
fossilreiche Aufkommen des Gebietes, das sich allein für die
Nashorn-Verwandtschaft über einen Zeitraum vom Oberen Oligozän bis zum
Pleistozän erstreckt. Bereits vier Jahre zuvor hatte ein Forscherteam
um Li Yong-Xiang mit 'P. huangheense' eine neue Art aus der
unteroligozänen Xianshuihe-Formation im Lanzhou-Becken eingeführt. Sie
basierte zuerst lediglich auf einzelnen Kieferresten, denen aber
später noch ein Teilskelett folgte. Auch von hier wurden zuzüglich
noch Reste von 'Turpanotherium' berichtet. Im Jahr 2025 konnte die
Gattung zudem mit der Art 'T. qiui' aus der etwa zeitgleichen
Qingshuiying-Formation im Lingwu-Becken in der benachbarten Provinz
Ningxia dokumentiert werden.


Rekonstruktionen
==================
Schon kurz nach den Entdeckungen in den 1910er und 1920er Jahren
versuchten sich die Wissenschaftler an einer Rekonstruktion der
riesigen Tiere. Die erste erfolgte durch Osborn im Jahr 1923. Da
dieser aber nur wenige Funde von 'Baluchitherium' aus der Mongolei
zugrunde lagen, trug sie bei einer angenommenen Schulterhöhe von 3,6 m
einen stark nashornähnlichen Charakter mit deutlich kurzen Gliedmaßen
und kurzem Hals. Noch im gleichen Jahr fertigte er eine zweite
Rekonstruktion an, die er anhand umfangreicherer Funde aus der
Mongolei und Belutschistan erstellte. In jener waren, diesmal bei
einer vermuteten Schulterhöhe von 4,0 m, Hals und Gliedmaßen deutlich
länger und der Körper im Verhältnis zum Schädel markant voluminöser.
Begleitet wurde der zweite Rekonstruktionsversuch von einer
zeichnerischen Lebenddarstellung, die mehrere Individuen fressend in
einer waldartigen Landschaft zeigte. Diese realisierte Elizabeth
Rungius Fulda im Auftrag Osborns und des American Museum of Natural
History ebenfalls im Jahr 1923. Anschließend daran schuf Charles R.
Knight drei Jahre später eine künstlerische Lebendvisualisierung.

Osborns zweiter Rekonstruktion folgte der Versuch von Borisjak im Jahr
darauf, den er basierend auf den 'Indricotherium'-Funden aus Torghai
durchführte und dem er mangels eines vollständigen Schädels jenen von
'Baluchitherium' hinzufügte. Seine Rekonstruktion ging von einem Tier
von knapp 4,5 m Schulterhöhe aus, wich aber von Osborns zweiter im
Bezug auf die Körperproportionen ein wenig ab, kam dem realen Aussehen
von 'Paraceratherium' aber ebenfalls deutlich nahe. Eine sehr
umfassende und bis heute bildbestimmende Rekonstruktion ist jene von
Granger und Gregory aus dem Jahr 1935, die auf den mongolischen Funden
gründete und der sich auch eine umfangreiche Beschreibung des
Fundmaterials anschloss. Es ist dabei zu erwähnen, dass diese
Rekonstruktion verschiedenes Fundmaterial einschließt, das von beiden
Autoren in vier unterschiedliche Größenklassen eingeteilt wurde, da es
von mehreren Individuen mit abweichenden Körpermaßen stammte. In Summe
kamen sie aber dabei auf ein Tier, das am höchsten Körperpunkt bis zu
5,4 m maß. Um dies auch für das Publikum zu verdeutlichen, erhielt das
American Museum of Natural History in New York im gleichen Zug ein
originalgroßes und aus Beton gefertigtes Halbrelief der
Lebendrekonstruktion in der damaligen Dauerausstellung. Das von
Granger und Gregory veröffentlichte Ergebnis hat sich seitdem nur
wenig geändert, die Darstellung wurde aber im Detail ergänzt und dem
Forschungsstand gemäß aktualisert, etwa zuletzt durch Donald R.
Prothero im Jahr 2013, der das Tier mit deutlich größeren Ohren und
einer rüsselartig verlängerten Oberlippe ausstatte.


Revisionen
============
Im Ergebnis der verschiedenen initialen Forschungen in den
unterschiedlichen geographischen Räumen standen in der ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts wenigstens vier Gattungsnamen mit gut einem
halben Dutzend Arten für die großen Paraceratherien zur Verfügung. Es
dauerte dann aber bis zum Jahr 1959, als Vera Gromova eine erste
Revision des bis dahin bekannten Fundmaterials unternahm. In ihrer
umfassenden und monographisch erschienenen Arbeit stufte sie 'B.
grangeri' und 'I. transouralicum' (einschließlich 'I. minus') als
synonym zueinander ein. Für diese größeren Vertreter wählte Gromova
aus Gründen der Namenspriorität die Gattung 'Indricotherium' und
reduzierte die drei Formen auf die Art 'I. transouralicum'. Die
kleineren Angehörigen, namentlich 'P. bugtiense' und 'B. osborni'
vereinte sie indes unter gleicher Begründung in der Gattung
'Paraceratherium' und der Art 'P. bugtiense'. 'Aralotherium' wiederum
sah sie als identisch mit 'Paraceratherium' an, erkannte dessen
einzige Art jedoch mit 'P. prohovori' als eigenständig an. Somit
verblieben vorerst zwei Gattungen mit drei Arten innerhalb der großen
Paraceratherien zurück.

Der von Gromova erstellte Status quo wurde weitgehend akzeptiert.
Einzelne Autoren wie Leonard B. Radinsky merkten aber Zweifel
bezüglich der Unterscheidung von 'Indricotherium' und
'Paraceratherium' auf Gattungsebene an, andere wie Nikolai Spassov
unterstützten die Trennung. Gut 30 Jahre nach Gromova widmeten sich
Spencer G. Lucas und Jay C. Sobus einer weiteren Revision, die in
einer Aufarbeitung der Fossilgeschichte der Unpaarhufer mit
internationaler Beteiligung eingebunden war. Hierbei setzten beide
Autoren die Vorgaben Gromovas als gegeben voraus. Die erneute
Überprüfung erwies sich als notwendig, da zwischenzeitlich vor allem
durch Forschungen im östlichen Asien einerseits mehrere
stammesgeschichtlich ältere Formen wie 'Juxia' und 'Urtinotherium'
(und in damaliger Auffassung auch 'Pappaceras' und 'Forstercooperia')
wissenschaftlich eingeführt und andererseits auch für die großen
Paraceratherien neue Arten und mit 'Dzungariotherium' zusätzlich eine
neue Gattung etabliert worden waren. In ihrer detaillierten
Untersuchung vereinten Lucas und Sobus 'Indricotherium' sowie
'Dzungariotherium' mit 'Paraceratherium', womit letztendlich nur eine
Form unter den größeren Paraceratherien fortbestand. Ihren Schritt
begründeten sie damit, dass Fossilien großer Paraceratherien zwar
insgesamt vergleichsweise häufig, bezogen auf einzelne Fundstellen
aber dennoch selten sind und sich wiederholende anatomische
Skelettpartien damit lokal zumeist ausschließen. Die vorhandenen
Unterschiede im Skelettbau zwischen den ursprünglich definierten
Gattungen betrafen zumeist eine variable Robustizität einzelner
Schädelbereiche. Dies fassten Lucas und Sobus als Ausdruck einer
überregionalen Artdifferenzierung innerhalb einer einzigen Gattung
auf. In einem untergeordneten Maße könnte sich ihrer Meinung nach
darin aber auch ein regionaler innerartlicher Geschlechtsdimorphismus
widerspiegeln, wodurch auf einem bestimmten lokalen Fundpunkt bezogen
lediglich einzelne männliche oder weibliche Individuen überdauert
haben. Bezüglich der validen Arten beriefen sich Lucas und Sobus auf
die wenigen Ausnahmefundstellen mit Skelettresten mehrerer
potenzieller Arten. Hierbei stellten beide Autoren jedoch keine
metrischen Differenzen zwischen den dort definierten Formen fest, etwa
am Beispiel der Turpan-Senke in Xianjiang mit 'P. lepidum' und 'D.
turfanense'. Beide Formen lagen zudem in der Variationsbreite von
'Indricotherium' in dessen ursprünglicher Definition. Aus diesem Grund
sahen Lucas und Sobus innerhalb der Gattung 'Paraceratherium'
lediglich 'P. bugtiense', 'P. transouralicum', 'P. prohovori' und 'P.
orgosense' als gültig an. Später fügte Lucas den vier akzeptierten
Arten noch 'P. zhajremensis' hinzu, dessen Fossilmaterial für die
Autoren zum Zeitpunkt der Revision nicht einsehbar gewesen war.

In der westlichen Welt wurden die Ergebnisse von Lucas und Sorbus
angenommen und unter anderem von Prothero im Jahr 2013 in einem
Überblickswerk zu den Paraceratherien weitgehend bestätigt.
Hauptsächlich chinesische Wissenschaftler kritisierten diese
Entscheidungen aber. Ihrer Meinung nach sind die anatomischen
Differenzen ausreichend genug, um die großen Paraceratherien auf
Gattungsebene zu gliedern. Auf Kritik stieß vor allem die Hervorhebung
eines lokalen Geschlechtsdimorphismus, demnach Tiere mit robusteren
Schädelmerkmalen (aufgewölbtes Schädeldach, kräftiger Kiefer und
Jochbogen vergrößerte Schneidezähne) männliche, solche mit grazileren
(flaches Schädeldach, schlanker Unterkiefer und Jochbogen, kurze
Schneidezähne) weibliche Individuen repräsentieren sollten. In einer
weiteren Revision, die von Qiu Zhan-Xiang und Wang Ban-Yue im Jahr
2007 erstellt wurde, allerdings lediglich die Funde des ostasiatischen
Raumes berücksichtigte, erhoben sie daher 'Dzungariotherium' und
zusätzlich 'Aralotherium' wieder zu gültigen Gattungen. Ersteres
charakterisierte sich demnach gegenüber 'Paraceratherium' etwa durch
ein flacheres Schädeldach, einen weiter, bis hin zur Orbita
zurückreichenden Naseninnenraum sowie verkürzte obere und untere
Schneidezähne. Für 'Aralotherium' stellten sie heraus, dass dieses
zwar wie 'Paraceratherium' über ein höher aufgewölbtes Schädeldach
verfügte, abweichend von diesem aber einen schlankeren Jochbogen und
einen niedrigeren Unterkieferkörper besaß. Zusätzlich etablierten
beide Forscher noch 'Turpanotherium' als eigenständige Gattung, welche
Prothero sechs Jahre später mit 'Urtinotherium' provisorisch
synonymisierte. Von chinesischen Wissenschaftlern wird diese aber als
existent eingestuft. Die westliche und chinesische Forschungstradition
unterscheidet sich nicht nur in der unterschiedlichen Anzahl der
bestehenden Gattungen, sondern auch in jener der Arten. So erkennen
chinesische Wissenschaftler gut dreimal so viele Arten an als
westliche, darunter einen größeren Teil der an ostasiatischem Material
definierten. Dies schließt aber auch 'P. grangeri' aus der Mongolei
ein, welches Qiu bereits 1962 und damit drei Jahre nach Gromovas
Vereinigung mit 'P. transouralicum' wieder in den Artstand erhoben
hatte, was er in seiner Revision 45 Jahre später noch einmal
bestätigte.


Stammesgeschichte
======================================================================
Ursprünglich wurde die Entwicklungslinie, die zu 'Paraceratherium'
führte, von stammesgeschichtlich älteren Formen wie 'Forstercooperia'
oder 'Pappaceras' hergeleitet, die aber nun nicht mehr als direkte
Verwandte der Paraceratherien anzusehen sind. Fest steht, dass mit
'Juxia' und 'Urtinotherium' zwei Vorläuferformen bereits im Mittleren
und Oberen Eozän vor rund 41 beziehungsweise 38 Millionen Jahren im
heutigen ostlichen Asien anwesend waren. Ihre urtümlicheren
Eigenschaften verdeutlichen sich nicht nur in ihrer deutlich
geringeren Größe, sondern auch in ihrem weniger spezialisierten
Vordergebiss. Im Unteren Oligozän beginnend vor gut 34 Millionen
Jahren ist dann auch erstmals 'Paraceratherium' nachgewiesen. Zu den
frühesten Funden gehören einige Gebissfragmente aus der
Baron-Sog-Formation im Erlian-Becken in der Inneren Mongolei. Günstig
für die Entwicklung der großen Paraceratherien wirkten sich
wahrscheinlich die offenen trockenen Waldlandschaften aus, die sich
seit dem ausgehenden Eozän im heutigen nördlichen Ostasien
ausbreiteten und sich von den damals feuchteren Bedingungen im
heutigen Europa unterschieden. Im weiteren Verlauf erweiterte
'Paraceratherium' seinen Lebensraum aber über weite Gebiete des
heutigen östlichen und südlichen bis zentralen Asiens und kam in einer
späteren Phase auch im westlichen Asien und südöstlichen Europa vor.

Im Übergang vom Oberen Oligozän zum Unteren Miozän vor rund 23
Millionen Jahren starb die Gattung dann allerdings aus. Junge
Nachweise sind unter anderem aus den Bugti-Bergen in Pakistan
dokumentiert, Von der dortigen Chitawara-Formation von Lundo Chur
liegen mit der Fission-Track-Datierung gewonnene Altersdaten vor, die
etwa 22,6 Millionen Jahre angeben. Möglicherweise lassen sich auch die
Reste aus der Aral-Formation in Kasachstan anschließen, doch ist deren
Alterststellung im Oberen Oligozän oder unteren Miozän nicht eindeutig
geklärt. Das Aussterben von 'Paraceratherium' ging möglicherweise mit
einer klimatischen Abkühlung und der Zunahme offenerer Landschaften
einher. Allerdings könnte auch die Ankunft neuer, konkurrenzfähigerer
Pflanzenfresser einen Einfluss gehabt haben. Zu nennen wären die
Rüsseltiere, die zu jener Zeit Eurasien über die neuentstandene
Landbrücke durch die Schließung der Tethys aus Afrika erreichten.
Auffallend wird dies an der Chitawara-Formation, in deren oligozäner
Schichtenfolge 'Paraceratherium' gut belegt ist. In den untermiozänen
Abschnitten fehlt die Gattung dort aber völlig, stattdessen sind nun
Rüsseltierformen wie 'Deinotherium' präsent. Eine ähnliche Abfolge ist
aus der Aktau-Formation im südöstlichen Kasachstan mit einem Wechsel
von 'Paraceratherium' zu 'Gomphotherium' belegt. Möglicherweise
vermochten diese neuen Ankömmlinge, ähnlich den heutigen Elefanten,
aufgrund ihrer Lebensweise die Landschaften grundsätzlich zu ändern.


Rezeption
======================================================================
Größere Aufmerksamkeit erhielt 'Paraceratherium' in der erstmals im
Jahr 2001 ausgestrahlten BBC-Serie 'Walking with Beasts'. In der
dritten Folge wird die Gattung, als 'Indricotherium' bezeichnet, näher
thematisiert. Dargestellt ist die Wanderung einer Mutter mit ihrem
Kalb durch die savannenartigen Landschaften, wobei beide anderen
Säugetieren ihrer Zeit wie Angehörigen der großen schweineartigen
Entelodonten oder dem großen Unpaarhufer 'Chalicotherium' aus der
Gruppe der Chalicotherien, aber auch verschiedenen Beutegreifern wie
'Hyaenodon' als Vertreter der Hyaenodonta sowie Bärenhunden begegnen.


Literatur
======================================================================
* Deng Tao, Lu Xiaokang, Wang Shiqi, Lawrence J. Flynn, Sun Danhui, He
Wen und Chen Shanqin: 'An Oligocene giant rhino provides insights into
Paraceratherium evolution.' in: 'Communications Biology.' 4, 2021, S.
639, doi:10.1038/s42003-021-02170-6.
* Walter W. Granger, William K. Gregory: ' Further notes on the
gigantic extinct rhinoceros, Baluchitherium, from the Oligocene of
Mongolia.' In: 'Bulletin of the American Museum of Natural History.'
72, 1936, S. 1-73.
* Вера Громова: 'Гигантские носороги.' Академия Наук СССР 71, Moskau
1959, S. 1-164.
* Donald R. Prothero: 'Rhino giants: The palaeobiology of
Indricotheres.' Indiana University Press, 2013, ISBN
978-0-253-00819-0, S. 1-141.
* Qiu Zhan-Xiang und Wang Ban-Yue: 'Paracerathere fossils of China.'
In: 'Palaeontologia Sinica.' 193 (New Series C, 29), 2007, S. 1-396
(S. 247-386 in Englisch).


Einzelnachweise
======================================================================
Donald E. Russell und Zhai Ren-jie: 'The Paleogene of Asia: Mammals
and stratigraphy.' Mémoires du Museum national d’histoire naturelle
Série C Sciences de la terre, Paris, 1982, S. 1-488
([https://archive.org/details/memoiresdumuseu52musec/page/333/mode/2up?q=ksyir])
..


Weblinks
======================================================================
* The Paleobiology Database:
[http://paleodb.org/cgi-bin/bridge.pl?action=checkTaxonInfo&taxon_no=43161&is_real_user=1
Paraceratherium]
*
'[https://www.zdf.de/play/dokus/giganten-der-urzeit--100/giganten-der-urzeit-riesenschlange-und-mega-nashorn--100?q=Riesenschlange
Giganten der Urzeit: Riesenschlange und Mega-Nashorn.]' Dokumentarfilm
von zdfinfo, abgerufen am 19. August 2025 (French Connection Films
2018, Copyright der Synchronfassung ZDF 2019). Ein Film von Eric
Ellena und Paul-Aurélien Combre. Minute 17:30 bis 45. Unter Mitwirkung
von Dr. Pierre-Olivier Antoine, Audrey Delsink, Jacques du Toit, Dr.
Maia Bukhsianidze und Dr. Laurent Marivaux



Kategorie:Unpaarhufer
Kategorie:Ausgestorbener Unpaarhufer
Kategorie:Perissodactyla


License
=========
All content on Gopherpedia comes from Wikipedia, and is licensed under CC-BY-SA
License URL: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/
Original Article: http://en.wikipedia.org/wiki/Paraceratherium


.

you're on gopherpedia.com^70/0/lang=de/Paraceratherium
back link is gopherpedia.com:70/1/lang=de